Über CULEST
Hintergrund
Globale Nachhaltigkeitskrisen wie Klimaerwärmung, Biodiversitätsverlust und wachsende Ungleichheit und die damit verbundene gesellschaftliche und politische Polarisierung sind inzwischen umfassend beschrieben und auch aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Disziplinen durchdrungen. Deutlich weniger gut erforscht ist jedoch, wie tief verankerte kulturelle Deutungsmuster zur Entstehung (aber auch Lösung) dieser multiplen Krisen beitragen.
Forschungen aus dem interdisziplinären Feld der kulturellen Evolution legen etwa nahe, dass ökologische Übernutzung eng mit vorherrschenden, teils ökologisch schädlichen Weltbildern und Narrativen verknüpft ist. Zugleich diskutiert die Transformationsforschung die Rolle von Change Agents, liefert aber bislang nur fragmentierte und teilweise auch umstrittene Zugänge zu ihrer transformativen (Handlungs-)Fähigkeit.
Ähnlich zersplittert ist der Forschungsstand zu Weltbildern und Narrativen: Ihre strukturelle Macht, Wandel zu ermöglichen oder zu blockieren, wird bislang erst selten systematisch analysiert. CULEST setzt hier an, indem das Projekt diese größtenteils isolierten Forschungsstränge konzeptionell zusammenführt und empirisch untersucht, ob und wie Change Agents die kulturelle Evolution nachhaltigkeitsrelevanter Weltbilder und Narrative mitgestalten.
Projektziele
- Theoretische und terminologische Klärung zentraler Konzepte und deren Zusammenhänge (bspw. kulturelle Evolution, Weltbilder, Narrative, Sensemaking).
- Empirische Erhebung von Weltbildern und Nachhaltigkeitsvorstellungen verschiedener Gruppen von Change Agents in diversen gesellschaftlichen Wirkungsbereichen.
- Schaffen eines komplexitätsadäquaten Verständnisses von veränderungsbezogener Handlungsmacht bzw. Selbstwirksamkeit im Kontext narrativer Deutungsmuster und Sinnstiftungsprozesse.
- Nutzbarmachung der SenseMaker®-Methode für die Forschung an der Schnittstelle von Weltbildern, Nachhaltigkeitstransformationen und kultureller Evolution.
- Explorative Untersuchung der Möglichkeit, eine Typologie „narrativer Change Agents“ für Wissenschaft, Politik, zivilgesellschaftliche Akteure und Bildungsarbeit zu entwickeln.
Arbeitspakete
WP-Leitung: Michael Schlaile
In WP1 werden Literatur und Messinstrumente zu kultureller Evolution, Weltbildern, Narrativen und Sensemaking im Kontext von Nachhaltigkeitstransformationen bzw. ‑transitionen systematisch synthetisiert. Auf dieser Basis entsteht ein integrierender theoretischer Rahmen, der unterschiedliche Forschungsstränge und Begriffe zusammenführt und konzeptionell schärft. Zudem wird eine Übersicht zentraler Konzepte, Operationalisierungen und Methoden erarbeitet, die als Referenz für die weiteren Arbeitspakete und für nachfolgende Forschung dienen soll.
WP-Leitung: Michael Schlaile
WP2 widmet sich der empirischen Erfassung und Analyse von Weltbildern unter Change Agents in ausgewählten gesellschaftlichen Feldern, etwa sozialen Bewegungen, religiösen Organisationen, Politik und Wirtschaft. Hierfür werden etablierte Worldview-Tests eingesetzt und durch leitfadengestützte Interviews vertieft. Ziel ist es, idealtypische Konfigurationen von Weltbildern sowie ihre jeweilige Beziehung zu Nachhaltigkeitsvorstellungen zu identifizieren und vergleichbar zu machen.
WP-Leitung: Adrian Wagner (bisher: Veronica Hector)
In WP3 stehen die Sinnstiftungsprozesse (Sensemaking) von Change Agents im Vordergrund. Mithilfe der SenseMaker®-Plattform werden Mikronarrative erhoben, die von den Teilnehmenden entlang verschiedener Dimensionen und Spannungsverhältnisse selbst eingeordnet werden. Diese Daten werden anschließend quantitativ und qualitativ ausgewertet, um dominante, marginalisierte und konfliktive Deutungsmuster in Transformationsprozessen über Narrativlandschaften sichtbar zu machen und mit den in WP2 erforschten Weltbildern in Beziehung zu setzen.
WP-Leitung: Michael Schlaile
WP4 integriert die Ergebnisse aus WP1 bis WP3, um die Entwicklung einer differenzierten Typologie narrativer Change Agents bzw. Change Agency ergebnisoffen zu untersuchen. Damit zusammenhängend werden auf Basis der empirischen Ergebnisse Implikationen für Transformationskommunikation und -politik sowie Bildungsformate abgeleitet.
